Die Renovierung des AfricaMuseums

Die große Herausforderung der Restaurierung bestand darin, dem Besucher in einem als Kolonialmuseum konzipierten Gebäude ein entkolonialisiertes , zeitgenössisches Bild von Afrika zu bieten.

Vor der Restaurierung war die Dauerausstellung veraltet und stand dem Bild, das es von der Kolonialzeit vermittelte, nicht sehr kritisch gegenüber. Deshalb war eine neue Gestaltung vonnöten. Was das Gebäude aus dem Jahre 1910 anbelangt, so entsprach seine Infrastruktur nicht mehr den Anforderungen eines modernen Museums. 
 

Die Gebäude


Der Zugang zum Museum erfolgt nun über den neuen Empfangspavillon, in dem sich auch die Kassen, der Museumsshop, das Museumsrestaurants, ein Picknickbereich für Kinder und die Garderobe befinden. 

Die Besucher durchqueren die neue unterirdische Galerie, gelangen in die Kellerräume des ehemaligen Gebäudes und erreichen schließlich im Erdgeschoss das Herz der Dauerausstellung. 

In den Kellerräumen des Museums informiert eine einleitende Ausstellung die Besucher über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunftsperspektiven des Museums. Im Erdgeschoss ist die Ausstellung in fünf Themenbereiche gegliedert, die sich hauptsächlich mit Zentralafrika befassen.

Im Innenhof des Museumsgebäudes konnte durch das Oberlicht ein Raum für musikalische Workshops geschaffen werden, wobei die Ränge auch als Freilichttheater dienen können.

Bei der Renovierung und Restaurierung des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes wurde den Ende des 19. Jahrhunderts entworfenen Originalplänen Rechnung getragen und gleichzeitig modernste Technik integriert.
 

Die Gestaltung

Die der Öffentlichkeit zugängliche Gesamtfläche wurde von 6.000 auf 11.000 m² erweitert.  Die Gestaltung des Museums, die Niek Kortekaas und Johan Schelfhout zuzuschreiben ist, bietet ein gelungenes Gleichgewicht zwischen den restaurierten, denkmalgeschützten Vitrinen und den neuen zentralen Plattformen. 

Die Einbindung zeitgenössischer Kunst stellte bei den Restaurierungsarbeiten ein wichtiges Element dar.

Die Einrichtung des großen Rundbaus wurde dem aus dem Kongo stammenden Künstler Aimé Mpané übertragen, dem wir das Werk Nouveau souffle ou le Congo bourgeonnant (Ein neuer Impuls oder der aufkeimende Kongo) zu verdanken haben. Es handelt sich dabei um eine große Skulptur, die mit den während der Kolonialzeit entstandenen Statuen in einen Dialog tritt. 

In dem Bewusstsein, dass die Geschichte und die Sammlungen des AfricaMuseums ein gemeinsames Kulturgut der Belgier sowie der Völker Zentralafrikas und ihrer Diaspora sind, war es dem Museum ein Anliegen, alle diese Parteien in die Konzipierung der Dauerausstellung mit einzubeziehen.

 

Die Phasen der Restaurierung

  • 2003
    Der Presse wird ein erster Restaurierungsvorschlag vorgestellt.
  • 2006
    Die Restaurierung des Königlichen Museums für Zentralafrika wird vom föderalen Ministerrat genehmigt.
  • 2007
    Der für die Gebäuderegie zuständige Vizepremierminister und Minister der Finanzen Didier Reynders unterzeichnet die Vergabe des Auftrags an das interdisziplinäre Konsortium Stéphane Beel SBA (Stéphane Beel Architekten).
  • 2008
    Das Konsortium Stéphane Beel SBA (Stéphane Beel Architekten) reicht einen Vorentwurf für einen Masterplan für das gesamte Gelände ein.
  • 2009
    Der Architekt beantragt bei der Agentur für Raumordnung der Provinz Flämisch-Brabant die Baugenehmigung.
  • 2010 
    Die Gebäuderegie erhält die Baugenehmigung für die Arbeiten zur Restaurierung und Erweiterung des Museumsgebäudes. 
  • 2012
    • Das Dossier wird im Anzeiger der Ausschreibungen veröffentlicht.
    • Beginn des Umzugs. Räumung der Lagerräume und Entfernung der Sammlungen aus den Kellerräumen des Gebäudes.
  • 2013 
    • Der für die Gebäuderegie zuständige Staatssekretär Servais Verherstraeten unterzeichnet die Vergabe der Restaurierungsarbeiten an das Unternehmen Denys. S.A..
    • Räumung der sich im Museumsgebäude befindlichen Büros und technischen Werkstätten.
    • 1. Dezember: das Museum schließt seine Türen für die Öffentlichkeit.
    • 2. Dezember: die Räumung der öffentlichen Flächen beginnt. Innerhalb von zwei Wochen werden alle Ausstellungsräume geleert und die Exponate an einen anderen Ort gebracht. Dabei handelt es sich um:
      • 14 Dioramen
      • 260 Säugetiere
      • 200 Vögel
      • 100 Fische, Reptilien und Amphibien
      • 1.460 ethnographische Gegenstände und Musikinstrumente
      • 200 Exponate aus den Ausstellungsräumen für die Geschichte der Kolonialzeit
      • 112 Exponate der Ausstellung „Kongo Fluss“
      • einige großvolumige Exponate wie den Elefanten, die Giraffe und den Einbaum.
  • 2014
    • Der Bau des neuen Empfangspavillons und der unterirdischen Galerie sowie die Restaurierung des Museumsgebäudes beginnen.
    • Aushubarbeiten für die unterirdische Galerie. Am Rand Bau einer überschnittenen Pfahlwand, die sofort mit Beton gefüllt wird.
    • Im Museumsgebäude Abriss und Beseitigung aller Elemente, die nicht zum ursprünglichen Gebäude gehören. Restaurierung der ursprünglichen Marmorplatten, Schmiedearbeiten, Parkettböden, Wandmalereien und Vitrinen vor Ort. Erneuerung und Isolierung der Bedachung. Durch die Doppelfenster sind auch die Ausstellungsräume besser isoliert.
  • 2015 – 2016
    • Die Arbeiten schreiten voran. Der neue Empfangspavillon hat seine endgültige Form gefunden, die Glasfassade wurde eingesetzt, und das umliegende Gelände erhält wieder das Aussehen, das es vor der Schließung hatte.
    • Im Museumsgebäude stehen die Restaurierungsarbeiten kurz vor dem Abschluss.
  • 2017
    • ​​​​​​​Die nähere Umgebung des Museums hat zum großen Teil wieder ihr altes Aussehen erlangt, wurde jedoch um eine kleine zeitgenössische Note bereichert.  
    • Der Empfangspavillon hat sein endgültiges Aussehen erlangt, und die Arbeiten im Museumsgebäude sind abgeschlossen. 
    • Zuschlagserteilung für die Multimedia-Produktionen der neuen Dauerausstellung.
  • 2018
    • ​​​​​​​Die Gebäude (Empfangspavillon und Museum) werden von der Gebäuderegie an das Museum übergeben.
    • Einrichtung des Empfangspavillons und der Ausstellungsräume.